Fridays For Future Würzburg


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Rede von Zoe

auf dem Straßenbahn-Klimastreik am 27.02.2026

Hallo, mein Name ist Zoe. Ich bin 27 Jahre alt und lebe schon mein ganzes Leben in Würzburg. Ach so — und ich bin behindert. Keine Sorge: Das ist keine Beleidigung, sondern eine neutrale Eigenschaft, die zu mir gehört.

Für Menschen, die mich wegen einer Sehbehinderung nicht sehen können oder mich aus anderen Gründen nicht wahrnehmen, beschreibe ich mich kurz: Ich bin eine weiße Frau mit kinnlangen glatten braunen Haaren und sitze in einem schwarzen Aktivrollstuhl mit elektrischem Antrieb an beiden Rädern.

Und was ihr vielleicht wissen solltet: Ich habe noch nie eine Rede gehalten — seid also bitte lieb zu mir.

Das Team von Fridays for Future ist auf mich zugekommen, damit ich eine Perspektive aufzeige, die viel zu wenig wahrgenommen wird: die Perspektive eines Menschen mit Behinderung.

Wie ich schon erwähnt habe, lebe ich mein ganzes Leben in Würzburg und bin dankbar für viele Maßnahmen, die hier für mehr Inklusion umgesetzt werden. Aber ich reise auch unglaublich gerne und sehe, wie Inklusion in anderen Städten und Ländern gelebt wird — mal besser, mal schlechter.

Und für Würzburg kann ich sagen: Da ist noch ganz schön viel Luft nach oben.

Für meine Rede heute wollte ich nicht nur meine eigene Perspektive als Rollstuhlfahrerin einbringen. Ich habe auch Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen in meinem Umfeld gefragt, was sie sich für ein inklusiveres Würzburg wünschen — besonders im nachhaltigen Stadtverkehr und im ÖPNV.

Ich lese euch jetzt einige dieser Wünsche vor. Oder kann man sie vielleicht schon Forderungen nennen?

Wir fordern bessere und verpflichtende Schulungen für Bus- und Straßenbahnfahrer:innen im Umgang mit Menschen mit Behinderung. (Und ich würde mich freiwillig als Versuchskaninchen melden!)

Wir fordern, dass Busse konsequent abgesenkt werden.

Wir fordern einen gleichwertigen Zugang zu Straßenbahnen und Bussen. Es kann nicht sein, dass mobilitätseingeschränkte Menschen nur alle 20 Minuten die Linie 4 nutzen können, während andere Menschen alle zehn Minuten fahren. Gleichberechtigung sieht anders aus.

Wir fordern die rechtzeitige Räumung von Straßen, Gehwegen und Übergängen — nach Feiern, bei Schneefall und bei rutschigem Laub.

Wir fordern abgesenkte Bordsteine. Überall.

Wir fordern den barrierefreien Ausbau der Bussteige am Hauptbahnhof. Die Inseln sind aktuell viel zu klein, um sie sicher mit dem Rollstuhl zu nutzen.

Wir fordern den generellen Ausbau barrierefreier Haltestellen. Barrierefreiheit bedeutet mehr als Rollstuhlgerechtigkeit: klare visuelle und akustische Anzeigen, erhöhte Haltestellen für leichteren Einstieg und funktionierende Leitsysteme für blinde Menschen.

Wir fordern einen wirklich barrierefreien ÖPNV — mit Ruhezonen, visuellen und akustischen Anzeigen und modernen elektrischen Rampen. So können Menschen mit Hilfsmitteln Bus und Straßenbahn selbstständig nutzen.

Wir fordern den Ausbau rollstuhlgerechter Taxis in Würzburg. Ein einziges barrierefreies Taxi wird den Menschen in Stadt und Landkreis einfach nicht gerecht.

Wir fordern, dass wir in Taxen mitfahren können, ohne Angst vor sexueller Belästigung oder Gewalt haben zu müssen.

Wir fordern den Ausbau von Behindertenparkplätzen in Würzburg. Ich weiß: Autofahren ist vielleicht nicht die nachhaltigste Transportmethode. Aber für viele Menschen mit Behinderung bedeutet Autofahren Unabhängigkeit, Selbstständigkeit und Freiheit.

Und gleichzeitig fordern wir den barrierefreien und sicheren Ausbau von Fahrradwegen — breite, klar getrennte Wege und Regelungen, die verhindern, dass Autos diese blockieren.

Das sind zwölf große Forderungen. Und ja — das wirkt vielleicht viel. Aber das Recht auf Teilhabe ist ein Menschenrecht. Und seine Umsetzung ist kein Nice-to-Have, sondern eine Notwendigkeit.

Ich möchte mich bei euch bedanken, dass ihr mir zugehört habt — und dass ihr euch für eine gerechtere Zukunft einsetzt. Bitte hört auch weiterhin Menschen mit Behinderungen zu. Wir bringen viele konkrete Ideen und Lösungen mit — wie ihr gerade gehört habt.

Und ich hoffe, ich konnte euch empowern, Barrieren in eurem Umfeld bewusster wahrzunehmen und aktiv mit abzubauen.