Rede vom Bündnis Zukunftsklima
auf der Fahrraddemo am 07.02.2026Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder verfährt" sagte ein früherer Bundespräsident (Gustav Heinemann). Was bedeuted das für den Verkehr? Ich spreche hier heute für eine Gruppe von Verkehrsteilnehmenden, die nicht genug für sich selbst sprechen kann- für die Kinder. Im Jahr 2024 erfahren in Deutschland über 27.000 Kinder Unfälle und somit Gewalt im Straßenverkehr. Jede Woche stirbt ein Kind bei einem Verkehrsunfall. Dazu das Bundesministerium für Verkehr: Der Schutz von Kindern ist dem Bundesministerium für Verkehr (BMV) ein ganz besonderes Anliegen. Daher unterstützen wir verschiedene Programme und Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit von Kindern und führen Kinder zu einer sicheren und verantwortungsvollen Verkehrsteilnahme und erziehen sie zu gewissenhaften Verkehrsteilnehmern von morgen. Es folgt ein Wimmelbild zum Einüben der Verkehrsregeln. Das deutsche Ärtzeblatt wälzt die Probleme auf die "nachlässigen Eltern ab", die "Gefahren und kindliche Leistungsfähigkeit nicht richtig einschätzen können". Als Vater von zwei Kindern weiß ich sehr wohl was meine Kinder leisten müssen, die Straße ist eine Todeszone, die sie massiv in ihrer Freiheit und Grundbedürfnissen einschränkt. Ein Kind erfährt die Welt anders, möchte sich anders bewegen und Impulsen nachgehen um die Welt kennenzulernen. Wie haben sich meine Kinder über den Schnee gefreut! Mein 6 jähriger Sohn klettert auf alle Schneeberge, gerade erst vor ein paar Tagen direkt vor unserer Wohung natürlich auch auf die festgeeisten Berge am Rand des Bürgersteigs hin zur Strasse. Er ist nur paar Meter vor uns als ein Auto viel zu schnell im Wohnbereich direkt neben dem Schneeberg entlangbraust. Mein Sohn stapft unbedarft weiter auf dem Gipfel des Schneebergs und ich weiss, wenn er jetzt ausrutscht gibt es nichts was ich oder der Autofahrer noch machen kann. Es ist zum Glück nichts passiert, aber den Schreck konnte ich noch Stundenlang nachfühlen- solche Momente kennen alle Eltern. Es sind letztlich Gewalterfahrungen im Verkehr. Ich kenne viele Eltern in Würzburg, die ihre Kind gerne mit dem Fahrrad zum Kindergarten bringen würden, denen es jedoch zu gefährlich ist. Warum gibt es keine ausreichend sicheren Fahrradwege von der Stadt ins Hubland? Warum enden immer noch so viele Fahrradwege unvermittelt oder wer mit dem Fahrrad abbiegen muss muss sich erst in den Autoverkehr einkämpfen? Grade in den letzten Wochen wurde die Priorisierung wieder offensichtlich: Während die Autostrassen lange schneefrei waren stapelt sich der Schnee von der Autostrasse noch Wochen später auf Bürgersteigen und Fahrradwegen. Freiheit heisst nicht die eigenen Privilegien auf Kosten aller auszuleben, sondern Freiheit ist immer die Freiheit aller! Wer Kinder kennt weiss wie sehr der Autoverkehr Kinder in der Freiheit einschränkt. Selbst wenn ein dreijähriges Kind ganz im Sinn des Bundesministeriums für Verkehr auf dem Gehsteig mit dem Laufrad im Wohngebiet fährt müssen die Eltern ständig aufpassen, denn rückwärts aus der Einfahrt fahrende SUV Panzer sind so hoch, dass sie das Kind nicht sehen können. Meinesachtens würden nicht nur die Kinder, sondern am Ende alle profitieren, wenn Autos aus Wohngebieten ganz raus kommen! Die Welt ist im Wandel: Wir sind gezwungen uns mit Krieg in Europa, der Instabilität unserer Demokratie und der Natur des Planeten sowie dem Verlust von internationalen Bündnissen auseinanderzusetzen. Wir können nicht ändern, dass sich die Welt wandelt, aber wir können uns entscheiden wie wir damit umgehen. Einigeln und nur noch auf den eigenen Vorteil oder den einer kleinen Gruppe schauen, oder wie erwachsene aufgeklärte Menschen der Realität ins Auge schauen und den Wandel annehmen- dann öffnen sich gemeinsame neue Handlungsräume wenn wir einander zuhören. Wer von euch hat vom Würzburger Zunkunftsrat gehört? Das war der erste Bürger:innenrat in Würzburg im letzten Jahr, den ich in einem Team aus dem Bündnis Zukunftsklima, der Uni Würzburg mithilfe von Sponsoren mitorganisiert hat. Wir haben 35 zufällig ausgeloste Bürger:innen gefragt was für sie gerechte Mobiltät bedeutet und in 3 Tagen 15 Empfehlungen erarbeitet -nachzulesen im Internet . Interessant waren die Interessen der Autofahrer:innen: Nicht etwa mehr Parkplätze in der Innenstadt und größere Strassen, sondern Park and Ride ausserhalb und innerhalb separate Fahrradwege- die Menschen wollen nicht Gewalt ausüben und sind bereit aufeinander zuzugehen wenn sie sich ernsthaft mit dem Thema befassen und auch gehört zu werden. Der Stadtrat hat den Zukunftsrat sehr wohlwollend angenommen und viel Interesse an dem Format gezeigt. Jetzt heißt es dranbleiben, Würzburg kann schöner für alle werden, wenn wir Engagement, gerade für die Verwundbarsten in unserer Gesellschaft zeigen, wenn wir Probleme ansprechen in Verbänden, oder auch zufälligen Begegnungen mit Mitmenschen auf der Arbeit und der Strasse , wenn wir auch online in Kommentaren und sozialen Medien etwas dem Hass und der Hetze entgegensetzen und laut ausdrücken was für ein Würzburg wir wollen.
Danke für Euren Einsatz, gemeinsam können wir den Wandel für alle gestalten!
Quellen: -https://www.bmv.de/verkehrssicherheit-kinder
-https://www.aerzteblatt.de/archiv/strassenverkehr-kinder-leben-gefaehrlich-c2e02b24-7931-4bda-8aa4-18e0af11cf65 -https://www.uni-wuerzburg.de/wuelab/forschung/transformationsexperi8mente/wuerat-zukunftsrat-wuerzburg/